Tierschutz


Ina Müller-Arnke

Warum geben Kühe eigentlich ständig Milch?


In Kürze: Kühe geben dann Milch, wenn sie ein Kalb geboren haben. Weil der Mensch aber beständig Kuhmilch haben möchte, werden Kühe regelmäßig geschwängert.
Eine Kuh gibt zum ersten Mal in ihrem Leben Milch, wenn sie ihr erstes Kalb geboren hat. Dieses wird direkt nach der Geburt von seiner Mutter getrennt und kommt in die Kälberaufzucht, wo es meist eine Ersatznahrung erhält. Die Milch der Kuh, die eigentlich für das Kalb bestimmt war, nimmt sich der Mensch für seine Ernährung.

Etwa vier bis sechs Wochen nach der Geburt ist die tägliche Milchleistung am höchsten, danach fällt sie leicht ab. Daher wird die Kuh bald nach der Geburt wieder besamt. Dies geschieht in der Regel durch künstliche Besamung. Kurz vor der nächsten Kalbung wird der Kuh eine Ruhepause von vier bis acht Wochen gegönnt, in der sie nicht gemolken wird. Das gibt auch dem Eutergewebe Zeit, sich zu erholen und auf den nächsten Milcheinschuss vorzubereiten.

Wenn das Kalb unmittelbar nach der Geburt von seiner Mutter getrennt wird, erleiden beide Tiere einen Trennungsschmerz.
In der Milchviehhaltung ist dies leider die Regel und geschieht auf Bio- ebenso wie auf konventionellen Betrieben. Es gibt vereinzelt Höfe, auf denen Milchkühe mit ihren Kälbern gemeinsam gehalten werden. Die Mutterkuh säugt ihr Kalb und wird zusätzlich gemolken.
Dies nennt man muttergebundene Kälberaufzucht. Gegenwärtig praktizieren nicht viele Landwirte dieses Verfahren, es werden jedoch immer mehr.
Milchbauern, insbesondere Bio-Milchbauern, setzen sich zunehmend mit dem Problem der Mutter-Kalb-Trennung auseinander. Es werden Lösungen gesucht, um die Trennung direkt nach der Geburt zu vermeiden und trotzdem Milch verkaufen zu können.
Es gibt kein allgemeingültiges System der muttergebundenen Kälberaufzucht: Einige Landwirte lassen die Kälber durchgängig für ein paar Monate bei ihren Müttern, andere nur für einige Wochen. In einigen Systemen werden die Kälber nachts von den Müttern getrennt gehalten, können aber tagsüber mit ihnen zusammen laufen.

Vier Pfoten hat gemeinsam mit dem Forschungsinstitut für ökologischen Landbau (FIBL) eine aktuelle Neuauflage eines Merkblatts zur mutter- und ammengebundenen Kälberaufzucht ausgearbeitet. Hier werden verschiedene Praxisbeispiele vorgestellt und beschrieben:
https://shop.fibl.org/fileadmin/documents/shop/1575-muttergebundene-kaelberaufzucht.pdf

Das sogenannte „Absetzen“ des Kalbs sollte schrittweise vorgenommen werden.
Beim Absetzen gibt es verschiedene Methoden, man kann die Trennung von Kalb und Mutter abrupt oder stufenweise einleiten.
Bevorzugt wird aus Tierschutzsicht ein stufenweises Verfahren, so dass die Trennung von Mutter und Kalb zunächst für einige Stunden erprobt wird und dies dann langsam gesteigert wird. Hierzu kommen die Kälber in eine Kälbergruppe, in der sie dann nicht alleine sind und den Trennungsschmerz besser verkraften können.
Auch die Mütter sind in ihrer Herde nicht alleine, was für Rinder als Herdentiere außerordentlich wichtig ist. 

Eine weitere Haltungsform ist die Ammenkuhhaltung, bei der mehrere Kälber von sogenannten Ammenkühen großgezogen werden.

Ammenkühe sind nicht die leiblichen Mütter der Kälber. Sie werden nicht gemolken, sondern säugen in der Regel zwei bis vier Kälber gleichzeitig. Die leiblichen Mütter der Kälber hingegen werden gemolken und haben meist keinen direkten Kontakt zu ihren Kälbern.

In diesem System haben zumindest die Kälber die Möglichkeit, von einem Euter zu saugen. Dies entspricht ihrem natürlichen Nahrungsaufnahmeverhalten und verhindert Gesundheitsstörungen, wie sie in der konventionellen Aufzucht an der Tagesordnung sind.
Jedoch bleibt die Tatsache, dass das Kalb von seiner Mutter getrennt wird.

In der Ammenkuhhaltung wird das Absetzen der Kälber in der Regel ebenfalls durch den Menschen herbeigeführt. Meist dürfen die Kälber hier jedoch über einen längeren Zeitraum saugen als in der muttergebundenen Kälberaufzucht,  beispielsweise bis zum sechsten Lebensmonat.

Ammenkühe werden ohnehin nicht gemolken, ihre gesamte Milch steht also den Kälbern zur Verfügung. Das Absetzen der Kälber von den Ammenkühen kann auch hier abrupt oder stufenweise erfolgen, nach demselben beschriebenen Verfahren.

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